Einsatz Japan

Einsatz Japan

Erfahrungen eines Einsatzes in Japan


Strahlenschutz-Aspekte im Rahmen eines Auslandseinsatzes

Das THW entsandte nach dem Erdbeben und dem Tsunami im März 2011 in Japan die SEEBA-Einheit in das Schadengebiet. Aufgrund der Reaktorhavarie war auch der Autor als Fachberater Strahlenschutz dabei. Der Beitrag beschreibt die Erkenntnisse des Einsatzes.

Im März 2011 kam es zu einem Einsatz der SEEBA des Technischen Hilfswerks (THW) anlässlich des Erdbebens in Japan, das der Autor als Fachberater in seiner Funktion als ehrenamtlicher THW-Angehöriger und zugleich Mitglied der Analytischen Task Force (ATF) Mannheim begleitete, um den Aufgabenbereich Strahlenschutz während des Einsatzes abzudecken.

SEEBA
Die Schnelleinsatzeinheit für Bergung im Ausland (SEEBA) des Technischen Hilfswerkes ist eine Such- und Bergungseinheit, die 1985 gegründet wurde und die nach Erdbeben weltweit zum Einsatz kommen kann.
Die Mannschaftsstärke beträgt je nach Einsatzauftrag bis zu 70 Personen. Ein SEEBA-Team besteht aus den Modulen Führung, Ortung, Bergung, Medizin und Logistik. Die Suche kann dabei mit Hunden oder aber mit technischem Gerät durchgeführt werden. Die Einheit ist innerhalb von sechs Stunden abflugbereit und aufgrund ihrer Struktur und Ausrüstung bis zu zehn Tage in jedem Schadengebiet autonom arbeitsfähig. Ab einer Teamstärke von 40 Helfern (dem so genannten Medium Urban Search and Rescue Team) ist das Team 24 Stunden einsatzfähig. Die Ausstattung und Ausbildung entspricht den von der UN aufgestellten INSARAG-Guidelines (International Search And Rescue Advisory Group), was in einer internationalen Prüfung nachgewiesen werden muss.

Einsatzbesprechung mit den japanischen Behörden und Helfern

Einsatzvorbereitungen
Als Folge des Erdbebens und des anschließenden Tsunamis in Japan am Freitag, dem 11. März 2011, kam es noch am gleichen Tag zu einem Hilfeersuchen Japans an die Bundesrepublik Deutschland, auf die umgehend mit der Aktivierung der SEEBA des THW ebenfalls am gleichen Tag reagiert wurde. Nachdem in den frühen Morgenstunden (MEZ) des 12. März 2011 in Deutschland Probleme mit einem Kernreaktor bekannt wurden, entschied die THW-Leitung, dass das SEEBA-Team zusätzliche Strahlenschutzausrüstung mitnimmt und von einem Strahlenschutzbeauftragten begleitet wird. Nachdem der Autor aufgrund seiner Tätigkeit im THW und in der ATF in einer Datenbank des THW hinterlegt ist, erfolgte die kurzfristige Alarmierung für diesen Einsatz am Samstagvormittag.
Dank Unterstützung durch die Flugbereitschaft der Bundespolizei war es möglich, in dem vorgegebenen Zeitfenster von zwei Stunden Personal und zusätzliche Technik (Personendosimetrie, Dosisleistungsmesser, Gamma-Spektrometer) zu aktivieren und zum Flughafen Hahn zu fliegen, von wo aus die SEEBA danach unverzüglich nach Japan verlegt wurde.
Der Auftrag im Zusammenhang mit einer möglichen radioaktiven Bedrohung für das Team von Seiten der THW-Leitung bestand darin, die Einsatzkräfte zu keiner Zeit in einem Gelände einzusetzen, in dem mit einer erhöhten Ortsdosisleistung zu rechnen wäre.

Situation am Flughafen Narita
Nach der vergleichsweise unproblematischen Einreise in Japan konnten noch am Terminal des Flughafens Narita (internationaler Flughafen von Tokio, etwa 60 Kilometer nördlich der Hauptstadt)die ersten Erfahrungen bezüglich internationaler Hilfeleistung gesammelt werden. Mehrere Klein- und Kleinstteams, die ohne japanische Aufforderung angereist waren, wurden noch am Flughafen darauf hingewiesen, dass ihre Anwesenheit nicht abgesprochen war und keine Unterstützung von Seiten japanischer Behörden möglich ist, was dann zu einer unverzüglichen Rückkehr dieser Einheiten führte.
Bei Schadenlagen, insbesondere wenn sie Ausmaße haben wie in Japan, stellt die Transportlogistik immer eine Engpassressoure dar. Daher hat die betroffene Nation ein großes Interesse daran, möglichst leistungsstarke Teams zu unterstützen. Auch stellte sich im laufenden Einsatz heraus, dass ein effektives Arbeiten ohne Dolmetscher und ohne direkte Unterstützung durch japanische Behörden sehr beschwerlich geworden wäre. Auch hier unterstützte die japanische Regierung alle angeforderten Teams vorbildlich.
Eine deutsche humanitäre Hilfsorganisation, die Medikamente mitgeführt hatte, saß aufgrund der geschilderten Randbedingungen ebenfalls am Flughafen fest und war nicht in der Lage ihre Lieferung ins Schadengebiet zu transportieren. Durch direkten Kontakt mit dem SEEBATeam wurden letztlich die Hilfsgüter vom THW übernommen und nach Ankunft im Einsatzgebiet an die örtlichen Behörden übergeben. Am Flughafen wurde auch der Kontakt zum Schweizer Team hergestellt, das mit seinen Suchhunden während des gesamten Einsatzes zusammen mit dem THW operierte.

Massnahmen des Strahlenschutzes
Der Schwerpunkt aus der Sicht des Strahlenschutzes bestand aufgrund der Aufgabenstellung durch die THW-Leitung in erster Linie darin, durch Informationsgewinnung aus den unterschiedlichsten Quellen ein Bild über die meteorologische Lage in den jeweils kommenden 24 bis 48 Stunden zu bekommen und gleichzeitig möglichst verlässliche Informationen über die Situation in den havarierten Reaktoren bzw. über die radiologische Lage in der Umgebung der Kernkraftwerke zu erhalten.

Vorbereitung für den Abflug vom Flughafen Hahn

Als Informationsquellen vor Ort dienten die Tageszeitungen und das Fernsehen. Diese Medien wurden mit Unterstützung durch den Vertreter des japanischen Außenministeriums ausgewertet, der das Team permanent begleitete. Durch den direkten Kontakt dieses Verbindungsbeamten in das japanische Außenministerium kam es auch mehrmals zu einer sehr zeitnahen Information über eine veränderte Lage in den havarierten Kraftwerksblöcken.
Aus Deutschland wurde von der THWLeitung täglich Wetterprognosen des Deutschen Wetterdienstes und Fachinformationen des Umweltbundesamtes über den Zustand der Reaktorblöcke und ihrer Umgebung geliefert. Von Seiten des Schweizer Teams lieferte ein Kollege, der ebenfalls für den Strahlenschutz verantwortlich war, vergleichbare Daten der nationalen Alarmzentrale der Schweiz. Die Informationen aus diesen verschiedenen Quellen wurden gemeinsam ausgewertet und in Empfehlungen für den Teamleader der SEEBA bzw. des Schweizer Teams umgesetzt, die letztlich die Entscheidungen für den Ort und die Art des Einsatzes zu treffen hatten. Aufgrund der Tatsache, dass der Wind während des gesamten Einsatzzeitraumes zu keiner Zeit in Richtung Norden drehte, bestand keine Notwendigkeit zu einer außerplanmäßigen Verlegung des Teams.
Darüber hinaus war die Überwachung der Einsatzkräfte mit Personendosimetrie, bestehend aus Film- und Alarmdosimetern, zu organisieren und im Fall der Alarmdosimeter zu dokumentieren. Dazu kam es während des Fluges zu einer grundlegenden Information der Einsatzkräfte über den korrekten Umgang mit den Messgeräten. Die Vorgehensweise fand analog zu einem Strahlenschutzeinsatz der Feuerwehr statt, nur mit dem Unterschied, dass die beschriebene Ausstattung für einen Zeitraum von einer Woche rund um die Uhr zu tragen war. Im Bereich des Camps und in den Bereichen, in denen die Teams der SEEBA bzw. aus der Schweiz zum Einsatz kamen, wurde darüber hinaus permanent die Ortsdosisleistung bestimmt und dokumentiert. Die dabei gemessene Ortsdosisleistung (80 bis 100 nSv/h) entsprach den auch in Deutschland üblichen Werten. Interessant für die Mannschaft war die bereits während des Fluges gemessene Ortsdosisleistung von etwas mehr als 2 μSv/h. Durch diesen Referenzwert war es auch für den Ungeübten möglich, eine Relation für die eigene Gefährdung zu bekommen.
Zusammen mit der begleitenden Ärztin wurde zusätzlich die mögliche Ausgabe von Jod-Tabletten vorbereitet bzw. die Art der Ausgabe festgelegt. Aufgrund der Abwägung der tatsächlichen Gefährdungslage wurden die Tabletten aber nicht ausgegeben.
Im Verlauf des Einsatzes kam es dann zu einer Vielzahl von Gesprächen mit Kleingruppen, aber auch einzelnen Helfern, in denen diese über mögliche Risiken einer radiologischen Gefährdung im Verlauf des Einsatzes und den beabsichtigten Maßnahmen von Seiten der Führung informiert wurden. Es bestand aber auch das große Bedürfnis, über die in Japan verwendete Reaktortechnik und die damit verbundenen Gefahren informiert zu werden.

Ein Teil der Ausrüstung der SEEBA

Im zweiten Teil des Einsatzes, nach der Verlegung in die Stadt Misawa, kam es zu mehreren Kontaminationsmessungen. Die Einsatzkräfte der anderen europäischen Nationen und Zivilpersonen, die aus dem Einsatzgebiet kamen und zum Teil potenziell kontaminiertes Gelände passiert hatten, wurden auf radioaktive Kontamination überprüft. Hierbei kam es vereinzelt auch zur Detektion von leichten Kontaminationen an den Fahrzeugen.
Zur Absicherung wurden nach der Rückkehr allen Einsatzkräfte das Angebot einer intensiven radiologischen Untersuchung in verschiedenen Universitätskliniken, unter anderem mit einem Bodycounter, gemacht. In keinem der Fälle kam es zu einem positiven Befund. Grundsätzlich ist eine ärztliche Untersuchung der SEEBAMitglieder nach einem Einsatz eine übliche Prozedur.

Einsatzaufgaben
Der ursprüngliche Einsatzauftrag bestand in der Suche und Rettung von verschütteten Personen im Erdbebengebiet. Von Seiten der japanischen Verwaltung wurde ein Einsatzgebiet im Norden der Insel Honshu in der Nähe der Stadt Tome zugewiesen. Im eigentlichen Schadengebiet an der Küste kam es dann aufgrund von Tsunamiwarnungen der japanischen Feuerwehr zu keinem Such- und Bergungseinsatz. Es gab permanente Nachbeben, als deren Folge häufig Tsunamiwarnungen ausgelöst wurden. Nachdem in Tsunamigebieten auch nur eine geringe Überlebenswahrscheinlichkeit besteht, wurde die eigentliche Suchtätigkeit nach vier Tagen in Absprache mit den japanischen Behörden eingestellt. Die gleiche Entscheidung trafen auch die Teams aus Großbritannien und Frankreich. Einzig die Teams aus Australien und Neuseeland, die mit dem Auftrag der Leichenbergung ausgestattet waren, verblieben im Schadengebiet.
Nach Abschluss der leider erfolglosen Suchmaßnahmen erhielt das SEEBA-Team den Auftrag, ausreisewillige Europäer aus dem Schadengebiet darin zu unterstützen, den im Norden der Insel Honshu gelegenen Luftwaffenstützpunkt »Misawa Air Base« zu erreichen. Nachdem diese Menschen aus potenziell kontaminierten Gegenden kamen, mussten auch sie auf Kontamination untersucht werden, darunter unter anderem ein sechs Monate alter Säugling, eine Rentnerin in deutlich fortgeschrittenem Alter und auch Hunde. Insbesondere bei der Kontaminationsmessung eines Säuglings und sehr junger Kinder mit nur japanischen Sprachkenntnissen bedarf es etwas Einfühlungsvermögen und einer überdachten Arbeitsweise.

Der Umgang mit einer fremden Kultur
Zu den Randbedingungen eines solchen Einsatzes gehört auch, dass er in einem Kulturkreis stattfindet, der sich doch erheblich von dem Europäischen unterscheidet. Das beginnt mit den sprachlichen Barrieren. Die Vorstellung, dass in Japan flächendeckende Englischkenntnisse vorhanden sind, musste sehr schnell korrigiert werden. Fremdsprachenkenntnisse stellen in Japan eher die seltene Ausnahme dar, zumindest im ländlichen Raum. Somit war der vom japanischen Außenministerium gestellte Verbindungsbeamte auch in seiner Funktion als Dolmetscher von wesentlicher Bedeutung. Insbesondere Besprechungen mit den örtlichen Führungskräften der Feuerwehr, etwa auf Ebene eines Kreisbrandmeisters, wären sonst unmöglich gewesen.

Einsatzbesprechung mit den Teams

Auch die Mentalität anderer Kulturen ist bei allen Maßnahmen zu beachten. Der Verantwortungsbereich von Mitarbeitern und Führungskräften in Japan ist meist sehr viel begrenzter als in Deutschland und klar definiert, was in außergewöhnlichen Situationen, für die es keine vorgeplanten Maßnahmen gibt, die Entscheidungsfindung nicht erleichtert, da sehr schnell eine Frage bzw. eine Bitte um Entscheidung in eine vorgesetzte Führungsebene verlagert wird. Auch ist im direkten Gespräch immer zu beachten, dass es möglichst nicht zu einem Gesichtsverlust des Gesprächspartners kommt. Das kann im konkreten Fall bedeuten, dass ein ausgesprochenes »Ja« nicht unbedingt ein »Ja« in unserem Sinne bedeuten muss; ein ausgesprochenes »Nein« aber zu einem Gesichtsverlust führen könnte und daher nicht ausgesprochen wird.

Der Einsatz von Stühlen bei Besprechungen in Einsatzleitfahrzeugen (ähnlich dem deutschen ELW 2) ist ebenfalls nicht zwingend, was dann bei längeren Verhandlungen bzw. Besprechungen, die auf dem Boden sitzend durchgeführt werden, an den europäischen Gesprächspartner nicht unerhebliche physische Anforderungen, insbesondere an die malträtierte Gesäßmuskulatur, stellt.
Als sehr angenehm und praktisch im Umgang mit der Bevölkerung stellte sich das ungemein disziplinierte und ruhige Verhalten der Menschen heraus, was zu sehr angenehmen Arbeitsbedingungen und einem Gefühl der sehr großen Sicherheit gegenüber den betroffenen Menschen führte.

Rückkehr/Fazit
Die Rückkehr des SEEBA-Teams und des Schweizer Teams erfolgte zusammen mit den britischen Kollegen in einer Chartermaschine der britischen Regierung bis nach Manchester. Ab hier wurde in einer zweiten Etappe das Schweizer Team in Zürich abgesetzt und dann zu guter Letzt die Mannschaft der SEEBA nach Frankfurt am Main gebracht. Bei einem Schadensereignis wie dem beschriebenen ist als Fazit nicht nur die Bilanz an geretteten bzw. die in diesem Fall 21 aus dem Schadengebiet in Sicherheit
gebrachten Personen zu betrachten. Wesentlich ist auch die politische Bedeutung eines solchen Einsatzes, die über den eigentlichen Einsatz hinaus auch langfristig eine positive Wirkung zeigen kann.

Einsatz Erbeben Japan


Als Folge des Erdbebens und des anschließenden Tsunamis in Japan am 11.03.2011 kam es zu einem Hilfeersuchen Japans an die Bundesrepublik Deutschland, auf die umgehend mit der Aktivierung der SEEBA (Schnelleinsatzeinheit-Bergung-Ausland) des THW reagiert wurde. Nachdem in den frühen Morgenstunden des 12.03. in Deutschland Probleme mit einem Kernreaktor bekannt wurden, entschied die THW-Leitung, dass das Team zusätzliche Strahlenschutzausrüstung mitnimmt und von einem Strahlenschutzbeauftragten begleitet wird. Nachdem Führungskräfte der ATF Mannheim in einer Datenbank des THW hinterlegt sind, erfolgte die kurzfristige Alarmierung für diesen Einsatz.

Dank Unterstützung durch die Flugbereitschaft der Bundespolizei war es möglich, in dem vorgegebenen Zeitfenster Personal und zusätzliche Technik (Personendosimetrie, Dosisleistungsmesser, Gamma-Spektrometer) an den Flughafen Hahn zu verlegen.

Abflugvorbereitungen Flughafen Hahn (Foto: THW)

Der Auftrag von Seiten der THW Leitung bestand darin, die Einsatzkräfte zu keiner Zeit in einem Gelände einzusetzen, in dem mit einer erhöhten Ortsdosisleistung zu rechnen ist.

Die Aufgabe aus der Sicht des Strahlenschutzes bestand daher in erster Linie darin, durch Informationsgewinnung aus den unterschiedlichsten Quellen (internationale sowie nationale deutsche und japanische) ein Bild über die meteorologische Lage in den kommenden 24-48 Stunden zu bekommen und gleich zeitig möglichst verlässliche Informationen über die Situation in den havarierten Reaktoren bzw. über die radiologische Lage in der Umgebung der Kernkraftwerke zu erhalten. Als Informationsquellen vor Ort dienten die Tageszeitungen und das Fernsehen. Diese Medien wurden mit Unterstützung durch den Vertreter des japanischen Außenministeriums ausgewertet, der das Team permanent begleitete. Durch den direkten Kontakt dieses Verbindungsbeamten in das Außenministerium kam es auch mehrmals zu einer schnellen Information über eine veränderte Lage in einem der havarierten Kraftwerksblöcke.

Aus Deutschland wurden von der THW-Leitung täglich Wetterprognosen des DWD und Fachinformationen des Umweltbundesamtes über den Zustand der Reaktorblöcke und ihrer Umgebung geliefert. Da das Deutsche und das Schweizer Team zusammen im Einsatz waren, wurden auch die Informationen aus der Schweiz zur Bewertung herangezogen. Die so gewonnenen Informationen waren aufzubereiten und in Empfehlungen für den Teamleader der SEEBA umzusetzen, der letztlich die Entscheidung für den Ort und die Art des Einsatzes zu treffen hatte.

Die Aufgabe aus der Sicht des Strahlenschutzes bestand daher in erster Linie darin, durch Informationsgewinnung aus den unterschiedlichsten Quellen (internationale sowie nationale deutsche und japanische) ein Bild über die meteorologische Lage in den kommenden 24-48 Stunden zu bekommen und gleich zeitig möglichst verlässliche Informationen über die Situation in den havarierten Reaktoren bzw. über die radiologische Lage in der Umgebung der Kernkraftwerke zu erhalten. Als Informationsquellen vor Ort dienten die Tageszeitungen und das
Fernsehen. Diese Medien wurden mit Unterstützung durch den Vertreter des japanischen Außenministeriums ausgewertet, der das Team permanent begleitete. Durch den direkten Kontakt dieses Verbindungsbeamten in das Außenministerium kam es auch mehrmals zu einer schnellen Information über eine veränderte Lage in einem der havarierten Kraftwerksblöcke.

Lagebesprechung mit Kollegen aus der Schweiz, Neuseeland und Australien

Darüber hinaus war die Überwachung der Einsatzkräfte mit Personendosimetrie (Teamstärke 41 Personen) zu organisieren und im Fall der Alarmdosimeter zu dokumentieren.

Im Bereich des Camps und in den Bereichen in denen Teams zum Einsatz kamen, wurde darüber hinaus permanent die Ortsdosisleistung bestimmt und dokumentiert.

Nach Abschluss der leider erfolglosen Suchmaßnahmen erhielt das Team den Auftrag, ausreisewillige Europäer aus dem Schadensgebiet darin zu unterstützen, den im Norden der Insel Honshu gelegenen Luftwaffenstützpunkt Misawa Air Base zu erreichen. Nachdem diese Menschen aus potenziell kontaminierten Gegenden kamen, mussten diese bei ihrer ersten Kontaktaufnahme mit dem SEEBA- Team auf Kontamination untersucht werden. Darunter ein etwa sechs Monate alter Säugling, Pensionäre deutlich über 70 und auch Hunde, bei denen der Verdacht auf Kontamination bestand.

Zusammen mit der begleitenden Ärztin wurde zusätzlich die mögliche Ausgabe von Jod-Tabletten vorbereitet. Aufgrund der Einsatzsituation erfolgte aber keine Ausgabe an das Team.

 In Gruppengesprächen, aber auch in zahlreichen EinzeIgesprächen wurden die Teammitglieder darüber aufgeklärt, wie die aktuelle Lage in den Reaktoren ist und inwieweit der Einzelne bzw. das Team einer möglichen radiologischen Gefährdung ausgesetzt ist.

Nach der Rückkehr nach Deutschland wurden die Einsatzkräfte einer intensiven Untersuchung auf eine mögliche Kontamination in verschiedenen Universitätskliniken, unter anderem mit
einem Bodycounter, unterzogen. In keinem der Fälle konnte eine Kontamination nachgewiesen werden.

Mario König
Dr. Ralph Rudolph
Stabsstelle ATF Mannheim
Feuerwehr Mannheim

© Brandhilfe 8/2011