Zusammen sind wir stärker: Gemeinsamer Einsatz der Feuerwehr und des THW in der Jugendherberge Mannheim

„Also legen wir los!“, ruft Mario König und die Aufstellung aus 42 Helfern der Freiwilligen Feuerwehr Neckarau und des THW Ortsverbandes Mannheim löst sich auf.
Von der Freiwilligen Feuerwehr sind 21 Helfer*innen vor Ort, das THW ist mit 18 Helfer*innen angerückt. Von der Berufsfeuerwehr Mannheim sind drei Feuerwehrmänner vor Ort, unter ihnen Mario König, der Leiter dieses Einsatzes.

Im Rahmen von weiteren Vorbereitungen zur Bewältigung der COVID-19-Lage soll auf Beschluss von Verwaltungsspitze und Gemeinderat die Jugendherberge als Ausweichquartier für Personen, die einer Quarantäne unterliegen, jedoch keiner medizinisch-pflegerischen Behandlung bedürfen, hergerichtet werden. Durch die Verlegung solcher Personen in ein derartiges Ausweichquartier können klinische Ressourcen entlastet werden. Fallabhängig können altenpflegerische Maßnahmen für diesen Personenkreis erforderlich sein.

Doch bevor die ersten Bewohner kommen können, muss die Jugendherberge unter pflegerischen Maßgaben hergerichtet werden.

Stockbetten, bei jungen Gästen der Herberge beliebt, sind für pflegebedürftige Menschen natürlich nicht geeignet. Daher wurde im Vorfeld eine Schreinerei damit beauftragt, in einigen der Zimmern Platz zu schaffen. Innerhalb eines Tages schraubten die acht Mitarbeiter*innen der Firma zahlreiche Betten und weiteres Mobiliar auseinander.

Auch im Einsatz steht der Schutz der Helfer an oberster Stelle. Daher werden alle Hygiene- und Abstandsregeln so weit wie möglich eingehalten. Absichtlich bleiben die Kräfte möglichst im Verbund Ihrer Kontaktgruppen tätig, weshalb nur in Ausnahmen Personen der Feuerwehr und des THW bei Aufgaben vermischt werden.
Auch erhalten alle am Einsatz beteiligten Personen Community-Masken, also einen Mund- und Nasenschutz, der ständig zu tragen ist.

Am Montag, den 20.04.2020, treffen sich um 7:45 Uhr im Rettungszentrum des THW die Kamerad*innen des THW zum gemeinsamen Frühstück.
Etwa zur gleichen Zeit treffen sich auf der Hauptfeuerwache die Beteiligten der Feuerwehr zunächst zu einer kurzen Besprechung, um kurz darauf mit ihren Fahrzeugen auf der Feuerwache Süd eingelagertes Material abzuholen.

Nachdem alle angeforderten Einsatzkräfte vor Ort angekommen sind, umreißt die Einsatzleitung die heutigen Aufgaben, die Planung und gibt die Regeln und Verhaltensweisen – vor allem auch hinsichtlich des Infektionsrisikos – bekannt.

Florian Fromm, Truppführer der Freiwilligen Feuerwehr, ist, wie alle Helfenden vor Ort, hoch motiviert: „Wir können wieder mal zeigen, dass sich die Bevölkerung auf die Feuerwehr Mannheim Neckarau und den THW Ortsverband Mannheim verlassen kann. Der Spaß wird dabei, trotz des ernsten Themas, bestimmt nicht zu kurz kommen.“

Zwei Stockwerke der Jugendherberge müssen ertüchtigt werden. Daher wird die Freiwillige Feuerwehr mit der Ertüchtigung des ersten Obergeschosses beauftragt, das THW mit dem zweiten Obergeschoss. Insgesamt sind über 60 Zimmer vorzubereiten.

Jedes der Zimmer soll am Ende eine von der Altenpflegeheime Mannheim GmbH festgelegte Ausstattung an Mobiliar und Einrichtungsgegenständen enthalten. Also räumen die Kräfte überflüssige Möbel in das Lager unterm Dach.

Normalerweise kümmern sich 21 Angestellte und zwei Herbergsleitende um das Wohl der Gäste. COVID-19 sorgt nun dafür, dass derzeit nur 4 Angestellte vor Ort sind.
Die Empfangsleiterin der Herberge freut sich: „Es ist gut, dass mal wieder was los ist.“. Direkt neben ihrem Arbeitsplatz und am Haupteingang zur Jugendherberge wurde der Kommandoposten des Einsatzleiters aufgebaut. Dort herrscht in den kommenden zwei Tagen immer rege Betriebsamkeit, laufen hier doch alle Fäden des Einsatzes zusammen.

Jasmin Pribil, Truppfrau in der Freiwilligen Feuerwehr Neckarau, ist froh, dass die Schreiner bereits die Betten abgebaut haben. „Hätten wir das auch noch machen müssen, wären wir noch lange beschäftigt.“ sagt sie und trägt sperrige Teile des Bettes Richtung Fahrstuhl.
Zwischenzeitlich ist der Fahrstuhl stark ausgelastet, teilweise warten die Helfer minutenlang darauf, dass sich die Türen öffnen. Daher wird kurzfristig eine Pause für einen Teil der Kamerad*innen ausgerufen. In dieser Zeit können die anderen den Fahrstuhl in Beschlag nehmen.

Für das leibliche Wohl sorgt in der Mittagspause der Logistik-Verpflegungstrupp des THW.
Am Sonntag standen dafür bereits drei Helfer*innen in der großen Küche des Ortsverbandes.
Mario Wille von der Freiwilligen Feuerwehr fasst zusammen: „Auf die Verpflegung vom THW ist immer Verlass. Gut gestärkt konnten wir mal wieder zeigen, wozu das Ehrenamt in der Lage ist. Schön, dass das THW und die Feuerwehr im Einsatzfall eine so starke Gemeinschaft bilden!“

Nach der Mittagspause wird ein erster Transport durchgeführt. Eine ganze LKW-Ladung holen zwei THW-Kräfte vom Uniklinikum Mannheim ab und bringen es zur Jugendherberge. Auch bei diesen Aufgaben funktioniert das Zusammenspiel der Organisationen sehr gut. Witiko Wladika, Helfer im THW, erlebt es so: „Wenn Not am Mann ist, packt jeder mit an. Ob THW'ler oder Feuerwehrmann, Helfer oder Führungskraft.“.

Die Transportfahrten werden vom Kommandoposten im Erdgeschoss aus koordiniert. Insgesamt stehen neun Fahrzeuge zur Verfügung. Bis zum Ende des Einsatzes wird es über 60 Transportfahrten geben.

David Burkhardt, Zugtruppführer des THW, besetzt zusammen mit einem Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr und dem Einsatzleiter Mario König den Kommandoposten am Haupteingang der Jugendherberge. „Die direkte Kommunikation hier am Kommandoposten mit der Freiwilligen Feuerwehr funktioniert super und sehr vertrauensvoll.“, sagt er und betont, dass sich die Organisationen gegenseitig sehr gut ergänzen.

Marina König, Truppführerin bei der Freiwilligen Feuerwehr und Studentin ist froh, endlich wieder etwas „sinnvolles“ tun zu können. „Die Dienste fehlen mir. Und durch diesen Einsatz habe ich das Gefühl, dass ich endlich wieder etwas Nützliches für die Gemeinschaft leisten kann.“. Eine der vielen Aufgaben bei der Ertüchtigung der Jugendherberge hat ihr besonders gut gefallen:
„Mein Tageshighlight war auf jeden Fall die Matratzen-Transport-Kette! Da hat man einfach gesehen, wie gut und effektiv etwas klappt, wenn alle zusammenarbeiten und jeder anpackt.“. Unzählige Matratzen mussten aus zwei Stockwerken in das Lager unterm Dach transportiert werden. Hier bildeten die Truppfrauen und -Männer eine Kette durchs Treppenhaus und schoben die Matratzen von Person zu Person.

Am Nachmittag macht sich Oberbürgermeister Dr.Kurz ein Bild von den Arbeiten an der Jugendherberge und schaut persönlich vorbei.

Der Montag geht arbeitsam gegen 16:30 Uhr zu Ende. Die Fahrzeuge werden besetzt und steuern die jeweiligen Fahrzeughallen an. Um 17 Uhr ist dann für heute Schluss.

Am Dienstag sind mehrere Transportfahrten von verschiedenen Pflegeheimen notwendig. Sobald das Material ankommt, laden die Helfer*innen es vor Ort aus und bringen es in die Zimmer. Zahlreiche Nachtschränkchen, Rollstühle und Müllbehälter wandern so durch die Gänge und Flure der bis 2014 aufwändig renovierten Gebäudeteile.

Derweil gehen die Arbeiten weiter. Eine Gruppe THW-Helfer*innen kümmert sich um die restlichen Aufgaben bei der gestern begonnenen Verlegung von OSB-Platten im zukünftigen Lagerraum. Sie dienen zum Schutz des Parketts. Anschließend bauen die Kamerad*innen Schwerlastregale auf.

Einige der Helfer und Helferinnen sind gleichzeitig Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr und im THW. Darunter Ann Katrin Rudolph, eine 18 Jahre junge Schülerin. Sie ist heute als Truppfrau der Freiwilligen Feuerwehr vor Ort. Im THW ist sie Helferin in der Schweren Bergung.

Sowohl die Helfer des THW als auch der Freiwilligen Feuerwehr nehmen ehrenamtlich an diesem Einsatz teil. Eine Freistellung von Angestellten für Einsätze ist gesetzlich vorgeschrieben, aber nicht alle Arbeitgeber können jederzeit auf ihre Mitarbeitenden verzichten.
Einige der Helferinnen und Helfer haben Kinder und müssen im Einsatzfall erst sicherstellen, dass die Kleinen gut versorgt werden. Für die Einsatzkräfte im Ehrenamt, die freiwillig und unentgeltlich ihre Zeit und Kraft – und möglicherweise auch Gesundheit – dem Gemeinwohl zur Verfügung stellen, ist es selbstverständlich, für Einsätze bereit zu stehen.

Nachdem auch den ganzen Dienstag lang geschleppt, gehämmert, gesägt und gefahren wurde, sind gegen 16 Uhr alle Aufgaben erledigt, alle benötigten Zimmerausstattungen vor Ort. Der Einsatzleiter bedankt sich bei Truppmännern und -frauen und bei den Helferinnen und Helfern.

Anastasia Schweibert, die Zentrale Praxisanleiterin der Altenpflegeheime Mannheim GmbH, zeigt sich glücklich über die geleistete Arbeit. Sie bedankt sich bei den Ehrenamtlichen. Später sendet sie einen Gruß: „Der Umbau einer Jugendherberge in eine Pflegeeinrichtung ist eine logistische Herausforderung, die von allen Beteiligten viel abverlangt. Das Technische Hilfswerk und die Feuerwehr Mannheim haben durch vorbildliche Arbeit und Organisation maßgeblich dazu beigetragen, dass die Einrichtung innerhalb von wenigen Tagen eingerichtet wurde und durch die APH Mannheim GmbH bezogen werden kann. Das Ergebnis zeigt, dass durch die hervorragende Arbeit aller Beteiligten die Versorgung von Menschen in Krisensituation sichergestellt wird.“.

Florian Häffner, Abteilungskommandant der Freiwilligen Feuerwehr Neckarau, zeigt sich zufrieden über den Ablauf: „Die Zusammenarbeit zwischen THW und Feuerwehr war reibungslos und ergänzend, sowohl auf der Zugführer- als auch Arbeitsebene. Solche Großprojekte zeigen, dass ein bereichsübergreifendes Anpacken im Ehrenamt kein Problem darstellt. Gerade die aktuelle Lage zeigt wieder einmal, dass ehrenamtliche Einsatzkräfte egal aus welchen Bereichen (blau, weiß, rot) die Grundlage für einen funktionierenden Katastrophenschutz sind. Sämtliche Kräfte waren stets motiviert und haben von Beginn bis Ende alles gegeben. Auf das Geleistete und die Einsatzbereitschaft bin ich als Abteilungskommandant stolz.“

Mehr Infos? Hier geht zur ausführlichen Langversion des Einsatzberichts.